Die Frühdiagnostik wird bei Morbus Parkinson immer wichtiger
Bei der Parkinson-Therapie deutet sich ein Paradigmenwechsel an: Patienten sollte man möglicherweise schon vor Beginn der motorischen Symptome behandeln. Dazu muss jedoch erst einmal die Frühdiagnostik optimiert werden. Bisher erhalten Parkinsonpatienten oft erst eine dopaminerge Therapie, wenn sie durch motorische Beschwerden im Alltag beeinträchtigt werden. Nach neuen Studiendaten ist dies möglicherweise viel zu spät: Denn offenbar kann eine dopaminerge Therapie den Krankheitsverlauf bremsen. Die Patienten profitieren also um so mehr, je früher sie behandelt werden. Dies ist vor kurzem erstmals in der Studie ADAGIO* mit dem MAO-B-Hemmer Rasagilin (Azilect®) gezeigt worden: Patienten mit einem verzögerten Therapiestart erreichten dabei nicht mehr das motorische Leistungsniveau von Patienten, bei denen die Therapie 36 Wochen früher begonnen wurde.
Simple Tests ermöglichen eine frühe Diagnose
Studien mit einem ähnlichen Design laufen derzeit auch mit anderen Parkinson-Arzneien. Kommen diese zu einem vergleichbaren Ergebnis, könnte eine Änderung der Therapieleitlinien erfolgen, prognostizierten Neurologen vor kurzem beim Parkinson-Kongress in Marburg. So könnten Patienten schon dann therapiert werden, wenn erste prämotorische Symptome wie Riechstörungen oder REM-Schlafstörungen auftreten. Das Problem ist: Bislang lässt sich M. Parkinson im Frühstadium nur schwer nachweisen. Einen zuverlässigen Blutmarker gibt es bislang nicht. Doch auch schon mit einer gründlichen Anamnese und einigen simplen Tests sowie bildgebenden Verfahren lasse sich ein Verdacht inzwischen recht gut überprüfen, so Professor Heinz Reichmann vom Uniklinikum Dresden. Privatdozentin Daniela Berg vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen empfiehlt Ärzten zunächst, genau auf Äußerungen von Patienten oder Angehörigen zu achten wie "der Arm schmerzt seit Monaten", "ich habe ein inneres Zittern auf einer Körperseite", oder "er nimmt Gerüche nicht mehr gut wahr". Auch unspezifische Symptome wie Depressionen, Verstopfung, Schwindel, Schlaf- und Gedächtnisstörungen können mit Parkinson in Verbindung stehen. Hellhörig sollten Ärzte vor allem dann werden, wenn mehrere solcher Symptome zugleich auftreten, so Berg. Weitere Hinweise kann dann etwa ein Riechtest liefern, bei dem mit speziellen Riechstiften die Riechschwelle geprüft wird. Eine Hyposmie oder Anosmie, so Reichmann, gehe den motorischen Symptomen drei bis fünf Jahre voraus, und praktisch alle Parkinsonpatienten sind davon betroffen. "Wer keine Riechstörung hat, hat wohl auch keinen Parkinson." Nach Studiendaten entwickeln etwa zehn Prozent aller Menschen mit Hyposmien unbekannter Ursache innerhalb von zwei Jahren einen Morbus Parkinson, so Reichmann. Die frühe Riechstörung sei zudem typisch für idiopathischen Parkinson, bei genetisch bedingtem Parkinson oder Multisystem-Atrophie treten Hyposmien wesentlich später im Krankheitsverlauf auf. Häufig deutet sich ein Parkinson auch durch REM-Schlafstörungen an. Dabei wird die Motorik während des Traumschlafs nicht mehr unterdrückt, die Patienten schlagen mitunter wild um sich, was sogar die Bettnachbarn verletzen kann. In einer Studie entwickelten fast die Hälfte der Patienten mit REM-Störungen später eine neurodegenerative Krankheit, meist Parkinson, aber auch Alzheimer- und Lewy-Körperchen-Demenz. In einer anderen Studie hatten nach zehn Jahren 20 bis 30 Prozent der Patienten mit REM-Schlafstörung M. Parkinson entwickelt. Die Schlafstörung lässt sich in einem Schlaflabor leicht nachweisen. Den Verdacht auf Parkinson erhärten kann auch ein transkranieller Ultraschall. So weisen etwa 90 Prozent der Parkinson-Patienten eine Hyperechogenität in der Substantia nigra auf - allerdings auch etwa acht bis zehn Prozent der Gesunden. Die Hyperechogenität steht jedoch in keiner direkten Verbindung zum Krankheitsverlauf, sondern besteht offenbar zeitlebens. Sie charakterisiere vielmehr eine erhöhte Vulnerabilität für Parkinson, erläuterte Berg.
Molekulare Bildgebung sorgt für Klarheit
Lässt sich der Verdacht auf Parkinson mit Ultraschall, Schlaflabor oder Riechtest erhärten, kann schließlich die teurere und aufwändigere molekulare Bildgebung für Klarheit sorgen. SPECT-Verfahren mit 123I-FP-CIT oder mit 123I-β-CIT (DaTSCAN™) verfügen über eine Sensitivität von etwa 90 Prozent und eine Spezifität von knapp 100 Prozent. Mit der Methode wird die Dichte von Dopamintransporter-Proteinen im Striatum nachgewiesen - und diese ist bei Parkinson deutlich reduziert. Mit Blick auf die ADAGIO-Studie rät Berg, nun vielleicht etwas früher als bisher eine molekulare Bildgebung zu veranlassen, etwa, wenn es mehrere prämotorische Hinweise auf einen Parkinson gibt.
ADAGIO-Studie
In der Studie erhielten 1176 Parkinson-Patienten zunächst 36 Wochen Rasagilin oder Placebo. Anschließend bekam auch die Placebogruppe Rasagilin. Der UPDRS-Wert bei durchgehender Rasagilin-Therapie war nach 72 Wochen deutlich besser als bei verzögertem Start.
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Police zur Absicherung von Pflegekosten bei Demenz
Direktversicherer KarstadtQuelle will neues Produkt auf den Markt bringen
Köln (akr). Der Direktversicherer der Münchener Rück, die KarstadtQuelle Versicherungen, will eine Police zur Absicherung von Pflegekosten bei Demenz auf den Markt bringen. "Wir werden in diesem Jahr eine neue Lösung für dieses Thema anbieten", kündigte Vorstandschef Peter Endres an. Im Unterschied zu konventionellen Versicherern verkaufen Direktanbieter ihre Verträge nicht über Vertreter, sondern über das Internet, das Telefon oder per Post. Damit entfallen zwar hohe Provisionszahlungen für Vermittler, aber der Aufwand für Werbung ist sehr groß. "Wir haben 2008 einen dreistelligen Millionenbetrag für Werbung ausgegeben", sagte Endres. Der Gewinn des Unternehmens ist 2008 unter anderem wegen der Finanzkrise um 49 Prozent auf 17 Millionen Euro geschmolzen. Das Unternehmen verkauft auch Renten- und Lebensversicherungen und leidet unter den Turbulenzen auf den Kapitalmärkten. KarstadtQuelle ist mit einem Zuwachs um 23 Prozent auf mehr als 1,4 Millionen Zahn-Zusatzversicherungen Marktführer in diesem Segment. 2008 legte das Unternehmen um 27 Prozent auf 1,9 Millionen Verträge am stärksten in der Brillenversicherung zu. Neu auf den Markt gekommen ist eine "Augenversicherung", die Zuschüsse zu Brillen, Kontaktlinsen, Laser-Operationen und Vorsorgeuntersuchungen leistet. Aus der Krankenvollversicherung hat sich KarstadtQuelle ganz zurückgezogen. "Unsere Angebote sind klar darauf fokussiert, die Leistungen für die 72 Millionen gesetzlich Versicherten zu ergänzen, damit sie das Niveau der privat Versicherten erreichen", sagte Endres. Das Unternehmen legt viel Geld in Solaranlagen an und ist als Kapitalanleger auch im Auftrag anderer tätig. Darunter seien Erstversicherer und Investoren, die im Bereich der Ärzte und deren berufsständischer Versorgung aktiv sind, sagte Vorstand Dr. Randolf von Estorff.
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Pflege: Zeugnisausgabe mit Hindernissen
Heime bekommen künftig Zeugnisse: Noten gibt´s für Pflege und medizinische Versorgung, Umgang mit demenzkranken Bewohnern, soziale Betreuung, Verpflegung und Hygiene. Kritiker fürchten nun, schlechte Noten könnten durch gute übertüncht und Patienten auf die falsche Fährte gesetzt werden.
BERLIN. Vertreter des GKV-Spitzenverbandes und des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) hatten sich zuletzt ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Wofür Pflegebedürftige und pflegende Angehörige bisher viel Zeit und Mühe hätten aufwenden müssen, werde schon bald auf einen Blick für jeden verfügbar sein: zuverlässige Informationen über die Qualität in Heimen - dargestellt mit Hilfe von Noten von sehr gut bis mangelhaft. "Schritt für Schritt kommt jetzt die notwendige Transparenz in die Pflegequalität", kündigte K.-Dieter Voß, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, an. Schon Ende Mai würden die ersten Heime der neuen Prüfsystematik des MDK unterzogen, ergänzte Dr. Peter Pick, Geschäftsführer beim Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Kassen (MDS). Bis Ende 2010 werde es für alle 10 400 Pflegeheime eine Gesamtnote geben, die sich aus Teilnoten für die Bereiche Pflege und medizinische Versorgung, Umgang mit an Demenz erkrankten Bewohnern, Soziale Betreuung sowie Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene zusammensetze. Die angekündigte neue Transparenz am Pflegemarkt wird inzwischen jedoch wieder in Frage gestellt. Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) etwa moniert, das von Anbietern und Kassen entwickelte Noten-System verfehle seinen Zweck. Mehr Transparenz und Vergleichbarkeit von Pflegeleistungen werde dadurch nicht geschaffen, da schlechte Bewertungen durch gute Noten wieder ausgeglichen werden könnten. Die Befürchtung der CSU-Politikerin: Ein Heim, das im Bereich Pflege und medizinische Versorgung schlecht abschneidet, kann am Ende trotzdem die Gesamtnote gut bekommen, weil Verköstigung und Ausstattung mit sehr gut bewertet werden. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) müsse den neuen Pflege-TÜV daher überarbeiten. Aus den Reihen der Verbraucherschützer kommen ähnliche Forderungen. "Die Transparenz-Offensive in der Pflege ist gescheitert", kritisiert Dieter Lang, Pflegeexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Lebens- und Ergebnisqualität in den Heimen würden von den Kassenprüfern nicht hinreichend bewertet und benotet. "Deshalb muss dringend nachgebessert werden." Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat auf die Kritik reagiert und Pflegeanbieter und Kassenvertreter zu Gesprächen eingeladen. Gegenstand, so eine Sprecherin von Ministerin Ulla Schmidt, seien Darstellung der MDK-Prüfergebnisse und deren Gewichtung. Offenbar ist auch die Gesundheitsministerin in Sorge, dass eine schlechte Note für Pflege und medizinische Versorgung durch eine andere Note übertüncht wird und die zugesagte Pflegetransparenz zur Scheintransparenz mutiert. MDS-Chef Pick kann solche Sorgen nur begrenzt nachvollziehen: "Natürlich gibt es in jedem Noten-System eine gewisse Ausgleichswirkung", gesteht auch er ein. Durch die Gewichtung der einzelnen Prüfkriterien des MDK sei aber sichergestellt, dass der Bereich "Pflege und medizinische Versorgung" maßgeblich für das Abschneiden der Pflegeeinrichtung sei. "35 von insgesamt 64 Prüfkriterien beziehen sich auf Pflegequalität und medizinische Versorgung. Damit ist die Kernqualität eines Heimes gut abgedeckt. Und die Möglichkeiten, das wieder auszugleichen, sind nicht sonderlich groß", betont Pick.
Wo wird gute Pflege geleistet?
Für Laien ist es oft schwierig zu erkennen, in welcher Pflegeeinrichtung gute Pflege geleistet wird. Deshalb werden die Ergebnisse der MDK-Prüfungen künftig in Form von Noten öffentlich dargestellt. Ab Ende Mai sollen die ersten Pflegeheime benotet werden - anschließend folgen die rund 10 600 ambulanten Pflegedienste. Bis Ende 2010 will der MDK alle Pflegeeinrichtungen unter die Lupe nehmen. (hom)
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Therapie ohne Arznei bei Demenz nutzlos?
KÖLN (eb). Ob Menschen mit Alzheimer-Demenz langfristig von nichtmedikamentösen Therapieverfahren profitieren, bleibt ungeklärt. Dieser unbefriedigende Befund sei vor allem dem Umstand geschuldet, dass aussagekräftige Studien bislang fehlen. Für einzelne Ansätze gebe es zwar Hinweise auf einen Nutzen, aber auch auf einen Schaden. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), teilt das Institut mit.
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Alzheimer lässt sich immer früher erkennen
Mit Hilfe von Biomarkern und neuen bildgebenden Verfahren können Ärzte heute schon früh eine Demenz erkennen - und sie können damit herausfinden, um welche Demenzform es ich handelt.
Sollten bald neue, viel wirksamere Medikamente gegen Alzheimer entwickelt werden, wird es sehr wichtig sein, den Zerstörungsprozess im Gehirn Erkrankter früh zu erkennen. Denn nur dann - so sind sich die meisten Experten einig - besteht noch die Chance, diesen Prozess zu stoppen. Wenn heute bei Patienten eine Demenz erkannt wird, sind jedoch schon große kortikale Bereiche irreversibel geschädigt. Neue Biomarker und eine bessere Bildgebung sollen daher eine frühere Diagnose erleichtern. Schon jetzt können Ärzte jedoch moderne Verfahren zur Diagnostik nutzen. Zumindest in einer Art wissenschaftlicher Diagnostik-Leitlinie werden einige dieser Methoden bereits berücksichtigt, hat Professor Jörg Schulz von der Neurologischen Klinik Aachen berichtet. Ein Expertenkonsortium hat in "Lancet Neurology" (7, 2008, 668) für solche Leitlinien nur noch ein klinisches Kriterium zur Alzheimer-Diagnose gefordert: Eine über sechs Monate anhaltende Störung des episodischen Gedächtnisses. Liegt diese Störung zusammen mit einem auffälligen Befund eines Biomarkers (MRT, PET, Liquorproteine) vor, ist von einer Alzheimer-Demenz auszugehen. Allerdings, so Schulz beim Neuro Update in Wiesbaden, müssen andere Erkrankungen weiterhin ausgeschlossen werden, denn auch mit Biomarkern ist bislang keine zweifelsfreie Alzheimerdiagnose möglich. Allein für den Ausschluss anderer Krankheiten sollte daher bei jedem Demenzpatienten mindestens einmal ein MRT und eine Liquorpunktion vorgenommen werden - und dies möglichst zu Beginn der Demenz. Per Liquordiagnostik lassen sich zunächst akute oder chronisch entzündliche Hirnerkrankungen wie MS, Neuroborreliose, Lues oder Virusenzephalitiden ausschließen - meist schon über die Routinediagnostik. Die Liquoranalyse eignet sich jedoch auch zur Differenzialdiagnose: So ist bei Alzheimer-Patienten der Wert für das Beta-Amyolid-Peptid Aβ42 erniedrigt, der für Gesamt-Tau und für Phospho-Tau (pTau) erhöht. Besonders aussagekräftig, so Schulz, ist das Verhältnis von Aβ42 zu Aβ40. Damit lässt sich auch schon bei Patienten, die nur leichte kognitive Einschränkungen haben, relativ genau vorhersagen, ob sie eine Alzheimer-Demenz entwickeln. Ist der Quotient Aβ42 zu Aβ40 erniedrigt, und sind zugleich die Werte von Tau und pTau erhöht, liegt mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit der Beginn eines M. Alzheimers vor. Die Bildgebung ist nötig, um bei Demenzpatienten Ursachen wie Tumoren, subdurale Hämatome oder einen Normaldruck-Hydroenzephalus auszuschließen. Dabei, so Schulz, ist die MRT der CT überlegen. Zugleich lassen sich per MRT auch verschiedene Demenzformen gut abgrenzen: Eine mediale Temporallappen-Atrophie im Bereich Hippocampus, ento-rhinaler Kortex oder Amygdala spricht für M. Alzheimer, bei frontotemporaler Demenz sind auch die Frontallappen betroffen und bei vaskulärer Demenz finden sich oft auffällige periventrikuläre Veränderungen oder ungewöhnliche Befunde der weißen Substanz. Ein diagnostisches Problem könne allerdings sein, so Schulz, dass sich bei alten Menschen mehrere Demenzformen überlagern. Genauer, jedoch auch aufwendiger und teurer, ist die molekulare Bildgebung mit PET und SPECT. Sie lohnt sich vor allem, wenn bei Patienten unter 45 Jahren eine exakte Diagnose nötig ist - denn hier ist ein M. Alzheimer sehr selten die Ursache für die Demenz, so Schulz. Mit gewöhnlichen PET- und SPECT-Verfahren, die den Glukose-Metabolismus oder die zerebrale Perfusion abbilden, würden Sensitivitäten und Spezifitäten für eine Alzheimer-Demenz im Bereich von 80 bis 90 Prozent erreicht. Auch lasse sich eine Alzheimer-Demenz damit besser von anderen Demenzformen abgrenzen. Noch genauer bei Abgrenzungsschwierigkeiten sind spezifische nuklearmedizinische Marker: Radioaktives Pittsburg-B (11C-PIB) macht Beta-Amyloid-Ablagerungen sichtbar, wie sie für Alzheimer typisch sind. "Das PET-Signal korreliert dabei recht gut mit den kognitiven Fähigkeiten der Patienten", so Schulz. Eine SPECT-Untersuchung mit radioaktivem 123I-Ioflupan (FP-CIT) weist dagegen einen Dopamintransporter-Mangel nach, wie er bei Lewy-Körper-Demenz auftritt. Vielleicht gibt es auch bald eine spezifische Bildgebung für frontotemporale Demenz: Vor zwei Jahren fanden Forscher das Protein TDP-43 in pathologischen Einschlüssen als charakteristisches Merkmal der Erkrankung. Nun fehlt nur noch ein geeigneter Ligand für die molekulare Bildgebung.
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AOK-Analyse: Immer mehr Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen
BERLIN (dpa). Psychische Erkrankungen schlagen nach einer Analyse der AOK bei Krankschreibungen immer stärker zu Buche. 2008 fehlten von 9,7 Millionen AOK-Versicherten rund acht Prozent wegen psychischer Probleme. Seit 1995 seien die Fehlzeiten in diesem Bereich damit um 80 Prozent angestiegen, teilte das Wissenschaftliche Institut der AOK am Mittwoch mit. Insgesamt waren AOK-Mitglieder im vergangenen Jahr 17 Arbeitstage krankgeschrieben. Im Vergleich zu 2007 mit 16,3 Tagen ist das ein leichter Anstieg. Die meisten Ausfalltage im Job gab es bei AOK-Versicherten 2008 durch Muskel- und Skeletterkrankungen (24,2 Prozent), Verletzungen (12,6 Prozent), Atemwegserkrankungen (12,5 Prozent) und psychische Leiden (8,3 Prozent). Im Vergleich zu den häufigen Krankheitsursachen sind psychische Probleme oft mit längeren Fehlzeiten verbunden. Bei einer Atemwegserkrankung wie Bronchitis fielen Arbeitnehmer rund 6,4 Tage aus, bei psychischen Leiden waren es 22,5 Tage. Ein häufiger Grund für psychische Erkrankungen sei Dauerstress im Job. Den wachsenden Anteil solcher Krankheiten registrieren auch andere Krankenkassen seit mehreren Jahren. Die Deutschen Angestellten Krankenkasse stellte Mitte Februar in einer repräsentativen Umfrage fest, dass 800 000 gesunde Bundesbürger gegen Stress und Konflikte am Arbeitsplatz inzwischen regelmäßig zu Medikamenten greifen. Rund zwei Millionen Menschen gaben in der Studie zu, schon einmal Stimmungsaufheller oder Arzneien zur Konzentrationssteigerung geschluckt zu haben. Diese Medikamente sind für Depressionen oder Demenz zugelassen. In den vergangenen Jahren war der Krankenstand bei AOK-Mitgliedern zunächst stetig zurückgegangen und erreichte 2006 einen historischen Tiefstand. In den letzten zwei Jahren sei wieder ein leichter Anstieg der Ausfalltage zu verzeichnen.
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Verpflegungskonzepte für Altenpflegeheime gefordert
Mehr als 670 000 Pflegebedürftige leben in Altenheimen. Bei vielen Heimbewohnern bestehen erhebliche Defizite bei der Nährstoffversorgung. Das zeigen Ergebnisse der ErnSTES-Studie - Ernährung in stationären Einrichtungen für Senioren und Seniorinnen -, die Professor Peter Stehle vor kurzem auf einem Presseseminar der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn vorstellte. Erhoben wurden deutschlandweit der Ernährungs- und Gesundheitszustand von 773 Bewohnern in zehn Altenpflegeheimen. Die 153 Männer waren durchschnittlich 81 Jahre und die 620 Frauen 86 Jahre alt. Nur fünf Prozent der Teilnehmer erhielten keine Leistungen aus der Pflegeversicherung. An einer Demenz litt mehr als die Hälfte der Bewohner. Untergewichtig waren acht Prozent der Männer und sechs Prozent der Frauen (BMI < 18,5 kg/m2), elf Prozent der Bewohner wiesen eine Mangelernährung auf. Die tägliche Energieaufnahme von Seniorinnen mit Pflegestufe III betrug nur 1308 kcal, dagegen waren es 1542 kcal bei Bewohnerinnen mit Pflegestufe I. Auch wurde bei Seniorinnen mit Demenzerkrankungen eine wesentlich geringere Zufuhr von Energie, Fett und Protein ermittelt als bei Bewohnerinnen ohne Demenz. Besonders süße und fettreiche Speisen werden gern gegessen. Zwar tragen diese zur Energieversorgung bei, enthalten meist aber nur wenig essenzielle Nährstoffe. Daher war bei vielen Bewohnern die Zufuhr an Vitamin E, Vitamin C, Folat, Calcium und Magnesium, verglichen mit den Empfehlungen, zu gering. Besonders problematisch war die Versorgung mit Vitamin D. Der Grad der Pflegebedürftigkeit beeinflusse die Nährstoffversorgung stärker als das Lebensalter, so die Autoren der Studie, die im Ernährungsbericht 2008 veröffentlicht wurde. Multimorbidität, körperliche Behinderungen und geistige Beeinträchtigungen bzw. Krankheiten haben erheblichen Einfluss auf den Appetit, die Nahrungsmenge und Kostzusammensetzung. Mit steigender Pflegebedürftigkeit werde es schwieriger, eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung zu erreichen. Daher seien für Altenpflegeheime neue Verpflegungskonzepte erforderlich. Diese sollen die Ernährungssituation der Senioren stärker berücksichtigen und dadurch zur Prävention sowie Therapie von Mangelernährung beitragen.
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Alzheimer-Prävention mit Johannisbeeren
BREMERHAVEN (eb). Eine gesunde Ernährung kann langfristig einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Alzheimer-Demenz leisten. Eine besondere Rolle spielen dabei Lebensmittel mit neuroprotektiver Wirkung, etwa die schwarze Johannisbeere. Dazu forschen jetzt Wissenschaftler der ttz Bremerhaven und acht Partner im Projekt "Brainhealthfood", das die Europäische Union mit 870 000 Euro über einen Zeitraum von zwei Jahren fördert. Obwohl die Entstehungsweisen der Demenzerkrankung noch nicht vollständig erforscht sind, sprechen viele Anzeichen für eine starke oxidative Belastung der Gehirnregion. Auslöser sind lipide Peroxidationen, die Bildung freier Radikale und amyloider Betaproteine. Die Ergebnisse aktueller epidemiologischer Studien legen nahe, dass eine vielseitige, phenolreiche Ernährung das Risiko einer Demenzerkrankung verringern kann. Der regelmäßige Genuss von Lebensmitteln mit neuroprotektiver Wirkung könnte also mittel- bis langfristig das Gesundheitssystem entlasten. Derzeit gibt es kein Produkt auf Basis schwarzer Johannisbeeren im Functional-Food-Sortiment. Um diese Lücke kostengünstig zu schließen, sollen Reststoffe der Saftproduktion als Rohstoff dienen. Diese sind bereits zu einem Tonnenpreis von 300 bis 500 Euro erhältlich - ein Siebtel des Preises für alternative Rohstoffquellen. Wirtschaftliche Methoden für die Rückgewinnung bioaktiver Wirkstoffe sollen in den nächsten zwei Jahren im ttz Bremerhaven entwickeln werden. "Jeder Rohstoff stellt spezifische Bedingungen an die Extraktion. Wir werden im Frühjahr Testreihen starten, um das beste Verfahren für die schwarze Johannisbeere zu ermitteln," so Projektleiterin Marie Bildstein vom ttz Bremerhaven in einer Mitteilung.
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