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News Februar 2009


Rotes Kreuz in Sachsen Anhalt startet Demenz Hotline
Altersdemenz kommt immer häufiger vor. Angehörige von Betroffenen stehen dabei meist vor schier unlösbaren Problemen. Hilfesteller für sie will die Demenz-Hotline des Landesverbandes Sachsen-Anhalt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sein.

Angehörige, Betroffene aber auch professionelle Helfer suchen Antworten auf ihre Fragen zu Demenz und speziell zur Alzheimer Krankheit. Deshalb hat das Deutsche Rote Kreuz in Sachsen-Anhalt nun unter Telefonnummer 0345 5008529 eine Demenz-Hotline eingerichtet. Von Montag bis Donnerstag von 9.00 bis 15.00 Uhr und Freitag von 9.00 bis 13.00 Uhr werden die Anrufer und Anruferinnen von einer erfahrenen Diplom Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin beraten.

Der Informations- und Beratungsbedarf ist ebenso groß wie die angesprochene Themenvielfalt. Sie umfasst unter anderem das Krankheitsbild, die Diagnose, den Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen, rechtliche Fragen und auch den Wunsch, über sehr persönliche Dinge zu sprechen. Die jetzt eingerichtete Hotline unterstützt die Anrufer in der Kommunikation mit ihren demenzkranken Angehörigen und hilft ihnen, die oftmals sehr anspruchsvolle Betreuung ihrer kranken Verwandten besser zu bewältigen. Dazu werden den Menschen mit Demenz und deren Angehörigen trägerübergreifende Hilfs- und Entlastungsangebote aus ganz Sachsen-Anhalt vermittelt.

Das Deutsche Rote Kreuz hat sich der Herausforderung Demenz gestellt und betreibt seit nunmehr drei Jahren ein von Land und Pflegekassen gefördertes Modellprojekt. Vier verschiedene Angebote konnte das kleine Team um die fachliche Leitern Brigitte Solbrig bis jetzt anbieten: Angehörige werden unterstützt, die Alzheimerkranken betreut, ein Gesprächskreis dient dem Austausch mit Gleichgesinnten und in der Beratungsstelle gibt es Informationen über die Krankheit und ihre Behandlungsmethoden. Die Demenz-Hotline ist nun das neue Angebot des Projektes.

Informationen über die Demenzberatung erhalten sie unter Tel. 0345 / 500 85 29 oder im Internetangebot des DRK Landesverbandes unter www.sachsen-anhalt.drk.de.
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Die meisten Ärzte sind mit antidementiver Therapie in der Praxis zufrieden

Alzheimer-Patienten werden von Fachärzten offenbar besser versorgt als gedacht: Die meisten behandeln Demenzpatienten mit Cholinesterase-Hemmern und Memantine. Starke Defizite gibt es nach Daten einer Umfrage bei der Versorgung der Angehörigen.
Neue Erkenntnisse zur Versorgung von Alzheimer-Patienten liefert jetzt eine von Janssen-Cilag unterstützte Befragung, die vor kurzem veröffentlich wurde (Dement Geriatr Cogn Disord 26, 2008, 541).
Insgesamt 850 niedergelassene Neurologen, Psychiater und Nervenärzte erhielten von Außendienstmitarbeitern des Unternehmens Bögen mit Fragen zur Versorgung ihrer Alzheimer-Patienten. 637 Ärzte, das sind 75 Prozent, füllten die Fragebögen aus.
Die Ergebnisse: Im Schnitt betreuen die befragten Ärzte 93 Alzheimerpatienten, davon leben noch etwa die Hälfte bei ihren Angehörigen, immerhin 12 Prozent leben allein zuhause - ein Anteil, der in einer Gesellschaft mit hohem Single-Anteil weiter zunehmen dürfte.
Die niedergelassenen Ärzte gaben an, dass drei Viertel ihrer Alzheimer-Patienten auch mit Antidementiva behandelt werden.

Umfrage belegt hohe Belastung der Angehörigen

Dieser Anteil ist wesentlich höher als bisher angenommen worden ist - nach Marktanalysen erhalten etwa 50 Prozent der Patienten in Praxen von Fachärzten Antidementiva, in Praxen von Allgemeinärzten sind es nur halb so viele Patienten. Ein möglicher Grund für den Unterschied, so Studienautor Professor Matthias Riepe aus Ulm: Der Rücklauf der Bögen war möglicherweise bei Ärzten geringer, die mit Antidementiva zurückhaltend sind.
Mit der antidementiven Therapie selbst waren die meisten der befragten Ärzte zufrieden. Etwa zwei Drittel beurteilten die Wirksamkeit auf Gedächtnis, Konzentration, Stimmung, Verhalten, Aktivitäten des täglichen Lebens und Pflegeaufwand als mindestens befriedigend. 87 Prozent waren der Auffassung, dass die Wirksamkeit in zumindest zwei dieser Bereiche befriedigend oder gut ist.
Die Fachärzte behandeln ihre Alzheimer-Patienten jedoch nicht nur mit Antidementiva, 35 Prozent geben ihnen auch Neuroleptika, 17 Prozent Sedativa und 23 Prozent Antidepressiva.
Die hohe Belastung der Angehörigen wurde in der Umfrage ebenfalls deutlich: Im Schnitt benötigen sie 2,4 Stunden täglich für die Pflege, nicht selten werden sie dadurch oder dabei selbst krank. So behandeln die Ärzte knapp 20 Prozent der pflegenden Angehörigen aufgrund neuropsychiatrischer Erkrankungen, hauptsächlich Depressionen, und immerhin 12 Prozent der pflegenden Angehörigen haben bereits selbst eine Demenz.

Behandlung erkrankter Angehöriger ist wichtig

Wie wichtig es ist, sich auch um die Angehörigen der Patienten zu kümmern, wird beim Therapieerfolg deutlich. Angehörige, die selbst antidepressiv behandelt wurden, berichteten signifikant öfter über einen Erfolg der antidementiven Therapie bei den Demenzpatienten als Angehörige, die keine eine solche Therapie erhalten hatten.

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Jahrhundertaufgabe Demenz - der Hausarzt spielt die Hauptrolle

KV Berlin: Hausärzte bilden sich regelmäßig weiter / Mehr Hilfen für Angehörige

BERLIN (hom). Nach Einschätzung der Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin, Dr. Angelika Prehn, hat sich im Bereich der hausärztlichen Begleitung von an Demenz erkrankten Menschen in den vergangenen Jahren sehr viel getan.
Das Interesse unter den Hausärzten an Fort- und Weiterbildungen zur Diagnose und zur Behandlung von Demenzerkrankungen sei nicht zuletzt auch durch die Zunahme der Krankheitsfälle "heute wesentlich höher als noch vor 20 Jahren", sagte Prehn der "Ärzte Zeitung".
In Deutschland sind derzeit rund 1,1 Millionen Menschen an Demenz erkrankt - die meisten von ihnen leiden an Morbus Alzheimer. Bis zum Jahr 2030, so vorsichtige Schätzungen, soll die Zahl der Betroffenen auf rund 1,8 Millionen Menschen ansteigen. Da der Hausarzt seine Patienten meist über viele Jahre hinweg begleite, komme gerade ihm bei der Diagnose eine entscheidende Rolle zu, betonte Prehn, die selber als Hausärztin tätig ist und in dieser Funktion auch Heimbewohner versorgt. Defizite sieht Prehn vor allem im Bereich der Betreuungs- und Hilfsangebote für Betroffene und ihre Angehörigen. Hier bestehe Nachholbedarf.
Außerdem fehle es in vielen stationären Pflegeeinrichtungen an Personal, um dementiell erkrankten Bewohnern eine optimale Therapie und Betreuung anbieten zu können. Neben der ärztlichen Therapie gehörten Maßnahmen wie Musiktherapie, Bewegung, eine ausgewogene Ernährung ebenfalls zu einer optimalen Behandlung von Demenzkranken, betonte Prehn.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte zuletzt kritisiert, im Bereich der hausärztlichen Versorgung von Demenzkranken gäbe es noch Nachholbedarf. Hausärzte müssten so ausgebildet sein, dass sie eine Demenz frühzeitig erkennen und notwendige Therapieschritte rechtzeitig einleiten könnten.
Diesem Ziel dient unter anderem das Projekt "Leuchtturmprojekte Demenz", das vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) noch bis Ende dieses Jahres mit insgesamt 13 Millionen Euro gefördert wird. Wertvolle Tipps zum Umgang des Hausarztes mit Demenz liefert auch eine Leitlinie, die von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) erstellt worden ist (wir berichteten).
www.degam-leitlinien.de

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Enzym schützt vor Alzheimer

MAINZ (eb). Das Enzym Alpha-Sekretase fungiert offenbar als körpereigener Schutz vor Alzheimer-Demenz. Insbesondere die Aktivität des Enzyms schützt vor den Plaques, fanden jetzt Wissenschafter der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz heraus.
Alpha-Sekretase ist ein körpereigenes Enzym, das im Gehirn in den Nervenzellen vorkommt und dort einen bestimmten Eiweißstoff spaltet. Dabei entsteht ein lösliches Protein-Fragment, das das Wachstum von Nervenzellen fördert und so der Alzheimererkrankung vorbeugt. Wird dagegen das Enzym Beta-Sekretase aktiv, dann nimmt eine Reaktionskette ihren Lauf, die schließlich zu der Erkrankung mit dem meist vollständigen Gedächtnisverlust führt.
"Die Alpha-Sekretase ist sozusagen das schützende Enzym, die Beta-Sekretase das schlechte", resümiert Professor Falk Fahrenholz. Er will nun herausfinden, wie sich das gute Enzym aktivieren lässt oder sein Vorkommen im Gehirn erhöht werden kann. (JAD, 16, 2009, online vorab)
Zu diesem Zweck haben sein Team und dessen Kooperationspartner untersucht, ob der positive Effekt der Alpha-Sekretase auf seiner enzymatischen Aktivität beruht oder ob andere Eigenschaften des Enzyms für die Schutzwirkung verantwortlich sind. Fahrenholz und seine Kollegen haben bei ihren Untersuchungen an transgenen Mäusen nun festgestellt, dass allein die enzymatische Aktivität die Schutzfunktionen garantiert. Wird diese Aktivität abgeschaltet, zeigen die Labormäuse genau die Defizite, die für die Alzheimerkrankheit typisch sind: verminderte Lernfähigkeit, schlechte Gedächtnisleistung und Ablagerung von Plaques. Die enzymatische Aktivität der Alpha-Sekretase könnte also ein Ansatzpunkt für künftige Therapien darstellen.
Gleichzeitig konnten die Wissenschaftler in ihren Experimenten bestätigen, dass nicht die Plaques-Ablagerungen selbst für die nachlassende Gedächtnisleistung verantwortlich sind. In den Plaques sammeln sich nur die zellschädigenden Stoffe, die in Lösung die Synapsen der Nervenzellen zerstören. "Es ist wichtig, dass man nicht nur die Plaques im Auge hat, sondern vor allem ihre Vorstufen genau betrachtet, die die eigentlichen Verursacher der Krankheit sind", so Fahrenholz.

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Kognitive Tests liefern wirklich Hinweis auf Gehirnschädigung

FRANKFURT/MAIN (ug). Einfache Skalentests zum geriatrischen Assessment bei Demenzkranken sind neurobiologisch fundiert. Die Ergebnisse korrespondieren mit hirnbiologischen Veränderungen, die in aufwendigen Untersuchungen nachgewiesen werden können. Diese kognitiven Tests liefern also tatsächlich Hinweise auf das Ausmaß der Hirnschädigung.
In der Praxis werden einfache, praktische Instrumente wie der Uhrentest eingesetzt, um beurteilen zu können, wie es bei Patienten mit Demenz um Alltagsfähigkeiten, Gedächtnis oder affektive Störungen bestellt ist. Bisher war jedoch unklar, ob schlechtere Ergebnisse in diesen Assessment-Instrumenten neurobiologische Veränderungen im Gehirn widerspiegeln.
Dass dies tatsächlich so ist, haben Dr. Peter Häussermann von der Universität Kiel und Dr. Robert Perneczky von der Technischen Universität München nun in mehreren Studien nachgewiesen. Für ihre Arbeit sind die beiden Forscher mit dem diesjährigen Preis für Hirnforschung in der Geriatrie ausgezeichnet worden. Er wird vom Lehrstuhl für Geriatrie an der Universität Witten-Herdecke verliehen und vom "Zukunftsforum Demenz", einer Initiative des Unternehmens Merz, gestiftet.
Teilnehmer waren Patienten mit Lewy-Körperchen assoziierten Erkrankungen wie der ParkinsonDemenz. Bei diesen Patienten wurde jeweils ein geriatrisch-gerontopsychiatrisches Assessment zur Alltagsbewältigung und zur Gedächtnisleistung gemacht. In bildgebenden Verfahren haben Häussermann und Perneczky dann bei den Patienten nach geschädigten Gehirnarealen gesucht. Dabei haben sie eine deutliche Korrelation festgestellt: Schlechte Assessment-Werte korrespondierten mit einer stärker ausgeprägten Hirnschädigung. "Das geriatrische Assessment funktioniert also tatsächlich", so Häussermann bei der Preisverleihung in Frankfurt am Main.
Ein weiteres Thema der beiden Forscher war die Bedeutung der sogenannten kognitiven Reservekapazität, also das Maß der Anpassungs- und Kompensationsfähigkeit des älter werdenden Gehirns. Ausbildung, berufliche Anforderung und sportliche Aktivität erhöhen die kognitive Reserve und bilden eine Art Schutzmechanismus.
Umgekehrt bedeutet das: Patienten mit höherer kognitiver Reserve, also etwa Menschen mit einer längeren Schulausbildung, haben beim gleichen Grad der funktionellen Einschränkung ein stärker ges
hädigtes Gehirn als Patienten mit niedrigerer Reserve, so ein weiteres Ergebnis der beiden Forscher.

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Projekt: Alzheimer-Prävention mit Stoffen aus der schwarzen Johannisbeere

BREMERHAVEN (eb). Eine gesunde Ernährung kann langfristig einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Alzheimer-Demenz leisten. Eine besondere Rolle spielen dabei Nahrungsmittel mit neuroprotektiver Wirkung, etwa die schwarze Johannisbeere. Dazu forschen jetzt Wissenschaftler der ttz Bremerhaven und acht Partner im EU-Projekt "Brainhealthfood".
Obwohl die Wirkungsweisen der Demenzerkrankung noch nicht vollständig erforscht sind, sprechen viele Anzeichen für eine starke oxidative Belastung der Gehirnregion. Auslöser dafür sind lipide Peroxidationen, die Bildung freier Radikaler und amyloider Betaproteine. Aktuelle epidemiologische Ergebnisse legen nahe, dass eine vielseitige, phenolreiche Ernährung das Risiko einer Demenzerkrankung verringern kann. Der regelmäßige Genuss von Nahrungsmitteln mit neuroprotektiver Wirkung kann mittel- bis langfristig das Gesundheitssystem entlasten.
Derzeit gibt es kein Produkt auf Basis schwarzer Johannisbeeren im Functional Food-Sortiment. Um diese Lücke kostengünstig zu schließen, sollen Reststoffe der Saftproduktion als Rohstoff dienen. Diese sind bereits zu einem Tonnenpreis von 300 bis 500 Euro erhältlich - ein Siebtel des Preises für alternative Rohstoffquellen.
Die Ermittlung wirtschaftlicher Methoden für die Rückgewinnung bioaktiver Wirkstoffe wird das ttz Bremerhaven leisten. "Jeder Rohstoff stellt spezifische Bedingungen an die Extraktion. Wir werden im Frühjahr Testreihen starten, um das beste Verfahren für die schwarze Johannisbeere zu ermitteln. Dafür sind sowohl die Qualität des Endproduktes und ihre Lagerstabilität, aber auch der Zeit- und Energieaufwand der Methode entscheidend," so Projektleiterin Marie Bildstein vom ttz Bremerhaven in einer Mitteilung.
Neben der Untersuchung der Inhaltsstoffe, ihrer Qualität und der gesundheitsfördernden Wirkung leisten die Projektpartner Schützenhilfe bei der Produktentwicklung und Vermarktung. Dieses Know-how über die Verarbeitung bioaktiver Inhaltsstoffe der schwarzen Johannisbeere zu Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und Non-Food-Produkten wird an kleine und mittelständische Unternehmen weitergegeben. Bei den glänzenden Wachstumsperspektiven des Marktes für diese "Nutriceuticals" (nutrient plus pharmaceutical, ein Nährstoff mit pharmazeutischer Wirkung) können sie ihre Position im globalen Wettbewerb stärken.
Die Europäische Union fördert das Projekt "Brainhealthfood" mit 870 000 Euro für zwei Jahre.
Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts von 2006 haben in Deutschland rund 700 000 Menschen eine Alzheimer-Demenz. Da besonders über 65-Jährige von der Krankheit betroffen sind, wird die Finanzierungsfrage angesichts der demografischen Entwicklung zum gesellschaftlichen Zündstoff. Für das Jahr 2050 wird eine Zahl von 2,6 Millionen Alzheimerpatienten in Deutschland prognostiziert. Das entspricht einem mittleren Anstieg der Patientenzahlen um 35 000 pro Jahr (Quelle: Deutschen Alzheimergesellschaft, Informationsblatt
"Selbsthilfe Demenz", 06/2008) [98 KB] .
In den USA werden die Kosten für Pflege und medikamentöse Behandlung von Alzheimerpatienten auf mehr als 100 Milliarden Dollar geschätzt.

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Chef für deutsches Demenz-Zentrum kommt aus Italien

BONN (dpa). Der Biomediziner Professor Pierluigi Nicotera (52) wird Gründungsdirektor des neuen nationalen Zentrums zur Erforschung von Demenzerkrankungen in Bonn. Das teilte das Bundesforschungsministerium am Donnerstag mit.
Die Helmholtz-Gemeinschaft baut das Zentrum auf, um Kompetenzen der Demenzforschung in Deutschland zu bündeln, Lücken zu schließen und schnellere Fortschritte zu erreichen, die auch Pflege und Therapie für die Patienten verbessern sollen. Neben dem Zentrum in Bonn werden auch vernetzte Partnerstandorte in München, Tübingen, Rostock/Greifswald, Witten-Herdecke, Göttingen und Magdeburg eingerichtet. Das jährliche Budget des Zentrums beträgt insgesamt 66 Millionen Euro.
"Ich freue mich sehr, dass wir mit Professor Nicotera einen international so renommierten und erfahrenen Forscher und Wissenschaftsmanager für diese wichtige Aufgabe gewinnen", sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). Der 52-Jährige aus Italien stammende Biomediziner hat seit 2001 als Leiter des Bereichs Toxikologie beim "Medical Research Council" in Leicester (Großbritannien) unter anderem die Mechanismen untersucht, die zur Schädigung von Nervenzellen führen.

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Was macht eigentlich ein Pflegestützpunkt?

Die Union war skeptisch, die Ärzte auch - aber Gesundheitsministerin Ulla Schmidt setzte sich durch und schuf die Rechtsgrundlage für Pflegestützpunkte. Ein Modell in Marburg zeigt den Nutzen.

Als Ewald Egerding aus Biedenkopf-Kombach (Kreis Marburg-Biedenkopf) nach einem schweren Sturz mit Becken- und Wirbelverletzungen ins Krankenhaus kam, reagierte seine Frau Marie-Luise mit Furcht und Ratlosigkeit. Nicht nur wegen der Angst um ihren 72-jährigen Ehemann. Sie wusste auch nicht, wie sie als 69-Jährige den Alltag mit ihm in Zukunft bewältigen sollte.
Hilfe in der Krise fand Marie-Luise Egerding beim ersten und bislang einzigen hessischen Pflegestützpunkt, der seinen Sitz im Marburger Hinterland hat. Die ganze häusliche Infrastruktur musste umgekrempelt werden. Dazu mussten Stolperfallen wie Schwellen und Teppiche aus der Wohnung verschwinden, Haltegriffe angebracht und ein Krankenbett angeschafft werden. Inzwischen kann Ewald Ewerding zumindest mit einem Rollator gehen.
Diana Gillmann vom Pflegestützpunkt organisierte den Pflegedienst, klärte die finanziellen Fragen, half bei der Einrichtung und vermittelte einen Gesprächskreis für Angehörige. Die Unterstützung hat dem Paar Mut gemacht.
Der Fall ist typisch für ihre Arbeit, sagt Diana Gillmann. Die meisten Angehörigen seien völlig überfordert, wenn ihr Partner oder die Eltern nach einem Schlaganfall, einem Sturz oder durch Demenz Pflege brauchen. Sie haben kaum Zeit - deswegen kommt die Mitarbeiterin oft zu ihren Kunden nach Hause. Und sie sehen sich einer unüberschaubaren Fülle von Pflegediensten, Ärzten, Sozialdiensten, Altenheimen, Reha-Teams, Pflegebegleitern und Therapeuten gegenüber. Hier setzt die Beratung des Pflegestützpunktes an, der alle Leistungserbringer koordiniert. "Für viele Angehörige ist die Pflege an sich nicht das größte Problem", sagt Gillmann: "Aber sie fühlen sich oft allein gelassen und überfordert."
Eingerichtet wurde der Pflegestützpunkt unter Trägerschaft des Diakonischen Werks. Ziel ist es, dass die Pflegebedürftigen möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden leben können. Seit dem Start im April 2008 wurden allein im Altkreis Biedenkopf mehr als 700 Menschen beraten.
Der Erste Kreisbeigeordnete Karsten McGovern (Grüne) hält das Modell für ausgezeichnet: "Es gibt eine zentrale Anlaufstelle, die den Kunden die Chance bietet, sich wirklich umfassend zu informieren", erklärt der Sozialdezernent des Kreises, in dem eine schwarz-gelb-grüne Koalition regiert.
Dabei stieß das von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) vorangetriebene Projekt beim Koalitionspartner Union wie auch bei Ärzten zunächst auf scharfe Kritik. Die CDU fürchtete eine neue bürokratische Struktur. Die Koalition einigte sich auf einen Kompromiss, nach dem jedes Bundesland selbst über die Einrichtung von Pflegestützpunkten entscheidet. Das Land Hessen hat sich für die Anlaufstellen ausgesprochen. "Sie bieten Rat und Hilfe aus einer Hand", lobt Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger.
Hessens Kammerpräsident Dr. Gottfried von Knoblauch hält die Anlaufstellen allerdings für überflüssig. Das glaubt auch die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer Dr. Cornelia Goesmann: "Wir haben zumindest keinen Bedarf für Hunderte von Stützpunkten bundesweit gesehen." Das Geld solle besser in die Pflege gesteckt werden.
Goesmann empfiehlt ein Modell, das in Hannover-List erprobt wird. Dort hat eine Arztpraxis mit vier Hausärzten, einer Apotheke und einer Pflegerin einen Stützpunkt gegründet: "Diejenigen, die die Patienten jahrelang versorgt haben, sollen sich weiter um sie kümmern", erklärt die Ärztin. Offen bleibt freilich, ob alle Ärzte das so können und wollen.
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Förderpreis zur Pflege psychisch kranker Alter

WIEHL
(eb). Die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e. V. schreibt mit dem Zukunftsforum Demenz der Merz Pharmaceuticals einen Preis aus. Ausgezeichnet werden Personen oder Institutionen, die in Pflege, Versorgung, Milieutherapie und Soziotherapie dazu beitragen, das Leiden psychisch kranker alter Menschen zu lindern.
www.dggpp.de

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Gentests decken Ursachen von Schlaganfall auf

Genetisch bedingte Leiden sind nicht immer selten. So ist ein Schlaganfall in jungen Jahren oft das erste Symptom eines M. Fabry.
Bekommen Patienten mit Morbus Fabry einen Schlaganfall, dauert es noch immer etwa zehn Jahre bis zur richtigen Diagnose, hat Professor Arndt Rolfs von der Universität Rostock berichtet. "Das ist ein Desaster, denn es gibt ja eine kausale Therapie", sagte Rolfs beim Neuro Update in Wiesbaden. Der Neurogenetiker nannte Zahlen, nach denen etwa fünf Prozent aller kryptogenen Schlaganfälle bei Patienten unter 55 Jahren auf einen Morbus Fabry zurückzuführen sind, insgesamt seien das 1,5 Prozent aller Schlaganfälle in dieser Altersgruppe. Daher sollte bei einem Schlaganfall in jungen Jahren eigentlich immer ein Morbus Fabry ausgeschlossen werden.
Wegweisend zur Diagnose sei die Kombination aus Schlaganfall oder TIA, Proteinurie (bei etwa 70 Prozent), Reizleitungsstörungen des Herzens sowie unklare Schmerzzustände. Die spezifische Diagnostik erfolgt über den Nachweis von Mutationen im Alpha-Galaktosidase-Gen. Das Schöne an solchen Gentests: Sie berühren nicht das Laborbudget. Insgesamt so Rolfs, liegen die Kosten für Gentests auf Erbkrankheiten je nach Länge des untersuc
ten DNA-Abschnitts zwischen 100 und 3000 Euro. Bei begründetem Verdacht auf eine genetische Erkrankung sollten Ärzte also nicht lange zögern.
Bei jüngeren Apoplexie-Patienten ist auch ein CADASIL*-Syndrom auszuschließen. Die Erkrankung trägt zu 1,2 Prozent der Schlaganfälle unter 55 Jahren bei und ist Ursache für etwa neun Prozent aller rezidivierenden Schlaganfälle in dieser Altersgruppe, so Rolfs. Ursache ist ein Defekt im Notch-3-Gen.
Typisch bei CADASIL sind kognitive Defizite mit progredienter Demenz (bei etwa 60 Prozent), Migräne und Mikroblutungen. Im MRT lassen sich die Folgen multipler Infarkte nachweisen. Auch hier schafft ein Gentest Klarheit. Im Gegensatz zu M. Fabry gibt es aber keine spezifische Therapie. Die Lebenserwartung liegt bei unter 60 Jahren. (mut)
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Alzheimer lässt sich immer früher erkennen

Mit Hilfe von Biomarkern und neuen bildgebenden Verfahren können Ärzte heute schon früh eine Demenz erkennen - und sie können damit herausfinden, um welche Demenzform es sich handelt.

Sollten bald neue, viel wirksamere Medikamente gegen Alzheimer entwickelt werden, wird es sehr wichtig sein, den Zerstörungsprozess im Gehirn Erkrankter früh zu erkennen. Denn nur dann - so sind sich die meisten Experten einig - besteht noch die Chance, diesen Prozess zu stoppen. Wenn heute bei Patienten eine Demenz erkannt wird, sind jedoch schon große kortikale Bereiche irreversibel geschädigt. Neue Biomarker und eine bessere Bildgebung sollen daher eine frühere Diagnose erleichtern.
Schon jetzt können Ärzte jedoch moderne Verfahren zur Diagnostik nutzen. Zumindest in einer Art wissenschaftlicher Diagnostik-Leitlinie werden einige dieser Methoden bereits berücksichtigt, hat Professor Jörg Schulz von der Neurologischen Klinik Aachen berichtet. Ein Expertenkonsortium hat in "Lancet Neurology" (7, 2008, 668) für solche Leitlinien nur noch ein klinisches Kriterium zur Alzheimer-Diagnose gefordert: Eine über sechs Monate anhaltende Störung des episodischen Gedächtnisses. Liegt diese Störung zusammen mit einem auffälligen Befund eines Biomarkers (MRT, PET, Liquorproteine) vor, ist von einer Alzheimer-Demenz auszugehen. Allerdings, so Schulz beim Neuro Update in Wiesbaden, müssen andere Erkrankungen weiterhin ausgeschlossen werden, denn auch mit Biomarkern ist bislang keine zweifelsfreie Alzheimerdiagnose möglich. Allein für den Ausschluss anderer Krankheiten sollte daher bei jedem Demenzpatienten mindestens einmal ein MRT und eine Liquorpunktion vorgenommen werden - und dies möglichst zu Beginn der Demenz.
Per Liquordiagnostik lassen sich zunächst akute oder chronisch entzündliche Hirnerkrankungen wie MS, Neuroborreliose, Lues oder Virusenzephalitiden ausschließen - meist schon über die Routinediagnostik. Die Liquoranalyse eignet sich jedoch auch zur Differenzialdiagnose: So ist bei Alzheimer-Patienten der Wert für das Beta-Amyolid-Peptid Aβ42 erniedrigt, der für Gesamt-Tau und für Phospho-Tau (pTau) erhöht. Besonders aussagekräftig, so Schulz, ist das Verhältnis von Aβ42 zu Aβ40. Damit lässt sich auch schon bei Patienten, die nur leichte kognitive Einschränkungen haben, relativ genau vorhersagen, ob sie eine Alzheimer-Demenz entwickeln. Ist der Quotient Aβ42 zu Aβ40 erniedrigt, und sind zugleich die Werte von Tau und pTau erhöht, liegt mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit der Beginn eines M. Alzheimers vor.
Oft treten mehrere Demenz- formen zugleich auf.
Die Bildgebung ist nötig, um bei Demenzpatienten Ursachen wie Tumoren, subdurale Hämatome oder einen Normaldruck-Hydroenzephalus auszuschließen. Dabei, so Schulz, ist die MRT der CT überlegen. Zugleich lassen sich per MRT auch verschiedene Demenzformen gut abgrenzen: Eine mediale Temporallappen-Atrophie im Bereich Hippocampus, ento-rhinaler Kortex oder Amygdala spricht für M. Alzheimer, bei frontotemporaler Demenz sind auch die Frontallappen betroffen und bei vaskulärer Demenz finden sich oft auffällige periventrikuläre Veränderungen oder ungewöhnliche Befunde der weißen Substanz. Ein diagnostisches Problem könne allerdings sein, so Schulz, dass sich bei alten Menschen mehrere Demenzformen überlagern.
Genauer, jedoch auch aufwendiger und teurer, ist die molekulare Bildgebung mit PET und SPECT. Sie lohnt sich vor allem, wenn bei Patienten unter 45 Jahren eine exakte Diagnose nötig ist - denn hier ist ein M. Alzheimer sehr selten die Ursache für die Demenz, so Schulz. Mit gewöhnlichen PET- und SPECT-Verfahren, die den Glukose-Metabolismus oder die zerebrale Perfusion abbilden, würden Sensitivitäten und Spezifitäten für eine Alzheimer-Demenz im Bereich von 80 bis 90 Prozent erreicht. Auch lasse sich eine Alzheimer-Demenz damit besser von anderen Demenzformen abgrenzen.
Noch genauer bei Abgrenzungsschwierigkeiten sind spezifische nuklearmedizinische Marker: Radioaktives Pittsburg-B (11C-PIB) macht Beta-Amyloid-Ablagerungen sichtbar, wie sie für Alzheimer typisch sind. "Das PET-Signal korreliert dabei recht gut mit den kognitiven Fähigkeiten der Patienten", so Schulz. Eine SPECT-Untersuchung mit radioaktivem 123I-Ioflupan (FP-CIT) weist dagegen einen Dopamintransporter-Mangel nach, wie er bei Lewy-Körper-Demenz auftritt. Vielleicht gibt es auch bald eine spezifische Bildgebung für frontotemporale Demenz: Vor zwei Jahren fanden Forscher das Protein TDP-43 in pathologischen Einschlüssen als charakteristisches Merkmal der Erkrankung. Nun fehlt nur noch ein geeigneter Ligand für die molekulare Bildgebung.
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Priorität für Kampf gegen Alzheimer

STRASSBURG
(spe). Europaabgeordnete aus allen 27 EU-Ländern fordern die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten dazu auf, den Kampf gegen Alzheimer zu verstärken. Dieses Ziel müsse Priorität in der europäischen Gesundheitspolitik haben, heißt es dazu in einer schriftlichen Erklärung. Besonderen Wert legen die Abgeordneten auf einen Ausbau der Forschung zu Alzheimer.
Ferner gelte es, die Frühdiagnostik zu verbessern, ebenso wie die Behandlung und die Lebensqualität der Erkrankten. Nach Angaben des Europaparlaments sind rund sechs Millionen Menschen in der EU von Demenz betroffen.

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Info-Broschüre zur Pflege in Brandenburg

POTSDAM
(ami). Beispiele guter Pflegepraxis hat das Brandenburger Gesundheitsministerium in seiner Broschüre "Pflege bewegt" zusammengestellt. 22 von mehr als 100 Projekten im Rahmen der Pflegeinitiative sind dort beschrieben. "Wir wollen, dass viele im Land von den guten Ideen, die während unserer ‚Pflegeinitiative‘ entwickelt wurden, profitieren", so Landes-Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD). Unter anderem werden Angebote zur Betreuung von Menschen mit Demenz und ein Netz zur Betreuung von schwerstkranken Menschen vorgestellt.
Weitere Infos und Download: www.masgf.brandenburg.de


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Stress und Druck - immer mehr Beschäftige suchen Abhilfe in Aufputschmitteln

Rund zwei Millionen Beschäftigte haben schon einmal zu Arzneien gegriffen, um die eigene Leistungskraft am Arbeitsplatz zu steigern. Das geht aus dem neuen Gesundheitsreport der DAK hervor.


Das Arbeitsleben in Deutschland ist für viele Beschäftigte rauher geworden. Wer nicht schnell, flexibel und vor allem hochkonzentriert an sein Tageswerk geht, bekommt Ärger mit Vorgesetzten oder Kollegen. Die Folge: Der Leistungsdruck am Arbeitsplatz wächst - mit ihm die Angst, zu versagen. Immer mehr Beschäftigte greifen deshalb auf Suchtmittel und Tabletten zurück, um so für den täglichen Kick im Büro zu sorgen.
Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) hat das im Sport schon seit langem heftig diskutierte Thema Doping jetzt auch für die Arbeitswelt näher untersucht. Die DAK befragte dazu mehr als 3000 Arbeitnehmern im Alter von 20 bis 50 Jahren.

Jeder Fünfte akzeptiert Stimmungsaufheller

Die Ergebnisse lassen aufhorchen: Rund zwei Millionen Beschäftige haben schon einmal Pillen geschluckt, um sich am Arbeitplatz möglichst lange fit und wach zu halten. Besonders stark verbreitet ist das Phänomen unter Akademikern.
Immerhin jeder fünfte Arbeitnehmer hält die Einnahme von Medikamenten ohne medizinische Erfordernis für vertretbar, um die eigene Leistung im Job zu steigern. Etwa 20 Prozent der Befragten akzeptieren Stimmungsaufheller, um Stress und Konflikte am Arbeitsplatz besser aushalten zu können. Jedem fünften Arbeitnehmer wurden schon einmal leistungssteigernde und stimmungsaufhellende Medikamente ohne jegliche medizinische Notwendigkeit empfohlen. Die Empfehlungen gehen zumeist auf Kollegen, Freunde und Familienmitglieder, aber auch auf behandelnde Ärzte zurück: Jede dritte Empfehlung für ein aufputschendes Mittel kommt von Ärzten.
In ihrem Report hat die DAK die Arzneimitteldaten von Antidepressiva, Mitteln gegen Demenz und ADHS sowie Betablockern analysiert und untersucht, inwieweit die Mittel abweichend von ihrer Zulassung verordnet werden. Dabei wurden Verordnungs- und Diagnosedaten abgeglichen. Die Ergebnisse der Analyse gäben "indirekte Hinweise auf eine mögliche Fehl- und Überversorgung oder Medikamentenmissbrauch", heißt es im DAK-Report. Am Auffälligsten sei die nicht bestimmungsgemässe Verordnung des Wirkstoffes Piracetam gewesen. Dieses Mittel ist unter anderem zur Behandlung von Patienten mit hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen, etwa Demenzen, zugelassen. Nur 2,7 Prozent aller DAK-Versicherten, denen Piracetam verordnet wurde, wiesen diese Diagnose überhaupt auf. Bei knapp 15 Prozent der Versicherten erfolgte die Piracetam-Verordnung ganz ohne Diagnose.
Auch beim Wirkstoff Methylphenidat, der primär zur Behandlung bei ADHS sowie zur Konzentrationssteigerung eingesetzt wird, ergab der Abgleich von Verordnungs- und Diagnosedaten Auffälligkeiten:

"Konzentriert, kreativ, immer perfekt?"

Für mehr als ein Viertel der erwerbstätigen DAK-Versicherten erfolgte die verordnete Therapie mit Methylphenidat ohne dokumentierte oder nicht bestimmungsgemässe Erkrankung. Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich bei dem Narkolepsie-Medikament Modafinil sowie dem Antidepressivum Fuoxetin.
DAK-Vorstandschef Professor Herbert Rebscher warnte bei der Vorstellung des Gesundheitsreports davor, derartige Medikamente ohne medizinische Begründung einzunehmen, nur um seine Leistung zu steigern oder "besser drauf zu sein". "Konzentriert, kreativ, karrierebewusst: Der Wunsch, immer perfekt sein zu müssen, lässt sich auch durch Medikamente nicht erfüllen."

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Opposition geht mit Pflegekurs der Regierung hart ins Gericht

Der neue Pflegebegriff zu spät, die Finanzierung offen: Die Opposition lässt kein gutes Haar an der Koalition.


Das Gutachten für einen erweiterten Pflegebegriff sei "eine fleißige Arbeit, kommt aber viel später als notwendig", sagte der pflegepolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Heinz Lanfermann, dieser Zeitung. Bis die Vorschläge der Experten umgesetzt würden, vergehe noch viel Zeit. "Erst einmal ändert sich nichts."
Vergangene Woche hatte der Beirat zur Überprüfung des Pflegebegriffs seine knapp 160-seitige Expertise an Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) überreicht (wir berichteten). Darin wird unter anderem vorgeschlagen, die drei Pflegestufen durch fünf Bedarfsgrade zu ersetzen. Welche Leistungen ein Pflegebedürftiger bekommt, soll davon abhängen, wie stark er in seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten eingeschränkt ist. Vor allem der Betreuungsbedarf von Demenzkranken soll durch die neue Begutachtungssystematik genauer erfasst werden.
Die Gretchenfrage, welche zusätzlichen Kosten ein erweiterter Pflegebegriff nach sich ziehe, sei von der Regierung bislang nicht beantwortet worden, kritisierte FDP-Experte Lanfermann. Den Beitragssatz erhöhen, um so die nötigen Mittel für eine bessere Pflege bereitzustellen, verbiete sich angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung. Die FDP plädiere daher für den "Weg in die kapitalgedeckte Finanzierung".
Elisabeth Scharfenberg, pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, erklärte, Union und SPD schafften es in dieser Wahlperiode nicht mehr, den neuen Pflegebegriff politisch umzusetzen. Damit habe die Koalition eine weitere Ankündigung des Koalitionsvertrages nicht eingehalten. Unklar sei, mit welchen Leistungen die Bedarfsgrade verbunden sein sollen. "Hier dürften uns noch kräftige Auseinandersetzungen bevorstehen."
"Eine Neudefinition des Pflegebegriffs war längst überfällig - auch, um Menschen mit dementiellen Erkrankungen endlich in die Pflegeabsicherung einbeziehen zu können", betonte der Pflege-Experte der Fraktion der Linken, Ilja Seifert. Den Empfehlungen des Beirats müssten rasch weitere Schritte folgen. Assistierende Pflege sei mehr als "satt und sauber".
Bei Pflege- und Sozialverbänden stießen die Vorschläge für ein neues Begutachtungsverfahren auf ein positives Echo. "Menschen, die an Demenz erkrankt sind, brauchen eine andere Form der Betreuung und Begleitung als Menschen, die rein körperlich gebrechlich sind, erklärte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher. Der Bundesgeschäftsführer des Berufsverbandes für Pflegeberufe DBfK, Franz Wagner, sagte, mit dem neuen Pflegebegriff bestehe die Chance, eine "Pflege im Minutentakt durch individuelle und passgenaue Hilfen zu ersetzen".
Rolf Höfert, Geschäftsführer des Pflegeverbandes DPV, rief die Gesellschaft zu einer Generaldebatte darüber auf, "was ihr die Pflege kranker, alter und behinderter Menschen wert ist". Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, verwies darauf, dass bessere Leistungen für Demenzkranke nicht zum Nulltarif zu haben seien. Eine bloße "Umverteilung" der Mittel von einer Gruppe der Pflegebedürftigen auf die andere lehne der VdK ab. Finanzierungsspielräume seien aber vorhanden -"etwa durch einen Risikoausgleich zwischen privater und gesetzlicher Pflegeversicherung".


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Ein Spaziergang pro Tag bremst den geistigen Abbau

Gute Hirndurchblutung durch viel Bewegung fördert offenbar die kognitive Leistung

CALGARY (mut). Jeden Tag einen ausgiebigen Spaziergang, das hält bei alten Menschen nicht nur den Körper, sondern auch den Geist fit: Die Hirndurchblutung und die kognitiven Fähigkeiten sind bei aktiven Menschen besser als bei trägen Zeitgenossen, zeigen jetzt Daten einer US-Studie.

Zu wenig Bewegung erweist sich immer mehr als ein entscheidender Risikofaktor für Schlaganfall und Demenz bei alten Menschen. Umgekehrt scheint genug körperliche Bewegung bei alten Menschen nicht nur den Körper, sondern auch den Geist länger fit zu halten. Kanadische Forscher haben jetzt eine Hypothese entwickelt, die diesen Zusammenhang erklären könnte. Sie vermuten, dass viel Bewegung die Hirndurchblutung verbessert und so dem geistigen Abbau entgegenwirkt.
In einer Studie hatten die Forscher um Dr. Marc Poulin 42 gesunde Frauen im Alter von durchschnittlich 65 Jahren untersucht. 28 von ihnen waren körperlich sehr fit und machten täglich Spaziergänge oder nahmen an Aerobic-Übungen teil. Die übrigen waren eher träge und bewegten sich wenig. Die Forscher bestimmten die körperliche Fitness per maximaler Sauerstoffkapazität beim Ergometer-Training, zudem maßen sie den arteriellen Blutdruck und per transkraniellem Doppler-Ultraschall zerebrovaskuläre Parameter. Mittels einer ausführlichen Testbatterie bestimmten sie kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Sprachflüssigkeit, Aufmerksamkeit oder Reaktion.
Insgesamt schnitten die körperlich aktiven Frauen bei den kognitiven Tests deutlich besser ab - sie erreichten im Schnitt zehn Prozent mehr Punkte. Naturgemäß war die kognitive Leistung dabei umso schlechter, je älter die Probanden waren, allerdings hing die geistige Leistung auch von der maximalen Sauerstoffkapazität ab - je höher dieses Maß für körperliche Fitness war, um so fitter war auch der Geist.
Zugleich hatten Frauen mit guter Fitness auch bessere vaskuläre und zerebrovaskuläre Werte: Der durchschnittliche arterielle Blutdruck war um zehn Prozent niedriger, die zerebrovaskuläre Reservekapazität war dagegen um etwa fünf Prozent höher: Die fitten Frauen konnten folglich während körperlicher Anstrengung oder einer Hyperkapnie die Hirndurchblutung deutlich besser steigern als körperlich träge Frauen. "Eine gewisse körperliche Grundfitness ist offenbar entscheidend dafür, im Alter gesund und geistig klar zu bleiben", so Poulin. "Und dafür genügt ein simpler täglicher Spaziergang."
Aufgrund der Studiendaten vermutet Poulin, dass die gute Hirndurchblutung ein Faktor für die bessere geistige Leistung von körperlich aktiven alten Menschen ist (Neurobiology of Aging online).

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