Demenz als politische Herausforderung
NEU-ISENBURG (eb). Der demografische Wandel wird die Gesundheitssysteme vor gewaltige Probleme stellen. Dabei wird die steigende Zahl der Menschen, die an Alzheimer erkranken, die Kassen vor große Herausforderungen stellen. Zwar gibt es für Betroffene Hoffnungen auf neue Diagnosemöglichkeiten und Therapien, wie diese gegenfinanziert werden sollen, ist aber völlig offen. Mit diesem Thema beschäftigt sich eine Euroforum Fachtagung am 10. Februar 2010 in Berlin, bei der die "Ärzte Zeitung" Medienpartner ist.
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Deutscher Demenztag - wie lässt sich die "Zeitbombe" bewältigen?
Aktuelle Konzepte in der Demenzversorgung diskutieren Experten auf einer Fachtagung in Berlin im kommenden Jahr. NEU-ISENBURG (eb). Zum Thema "Alzheimer-Demenz - Eine gesundheitspolitische Zeitbombe" werden Experten aus Medizin, Pflege, Krankenkassen und Gesundheitspolitik auf einer Euroform-Fachtagung am 10. Februar 2010 in Berlin diskutieren. Bei der Veranstaltung, bei der die "Ärzte Zeitung" Medienpartner ist, werden unter anderem der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Dr. Rainer Hess, Karl-Dieter Voß vom GKV-Spitzenverband sowie Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienst der Krankenkassen, erwartet. Demenz hat eine weitreichende Brisanz, denn immer mehr Menschen erkranken daran. Das stellt auch die Finanzierungsgrundlagen des GKV-Systems vor Belastungen. Die Betreuung in Pflegeheimen wird zunehmen und die Heime müssen sich darauf einstellen. In Asien bezeichnen Gesundheitspolitiker das Phänomen, dass immer mehr Menschen an einer Demenz erkranken, bereits als "silberner Tsunami". Welche Perspektiven hat die Demenzversorgung nach dem Regierungswechsel? Welche Schlüsse lassen sich aus der laufenden MDK-Prüfung von Pflegeheimen ziehen? Das sind Fragen, die in verschiedenen Gesprächsrunden diskutiert werden. Weitere Expertengespräche gibt es zu dem Thema, welche Anforderungen der demente Patient in der stationären Versorgung hat und wie das Personal darauf eingehen kann.
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Insulinresistenz begünstigt offenbar auch die Entstehung einer Alzheimer-Demenz
Fördert Diabetes die Entwicklung von Alzheimer? Einiges weist darauf hin. Zumindest treten beide Krankheiten oft zusammen auf und werden durch dieselben Risikofaktoren begünstigt. Und: Eine Insulinresistenz fördert offenbar auch die Bildung von Amyloidplaques.
Nach Studiendaten haben Diabetiker im Vergleich zur Normalbevölkerung ein um 60 bis 90 Prozent erhöhtes Risiko für eine Alzheimer-Demenz. Schon bei Prä-Diabetes scheint das Risiko erhöht: So wurde in einer Studie ein signifikanter Zusammenhang zwischen Alzheimer-Demenz und einer früher diagnostizierten gestörten Glukosetoleranz gefunden, wie Privatdozent Daniel Kopf von der Universität Heidelberg berichtet (Klinikarzt 38, 2009, 228). Dass Morbus Alzheimer heute häufiger als früher bei Diabetikern registriert wird, liegt zum Teil wohl auch an der höheren Lebenserwartung. Denn dadurch besteht mehr Zeit, in der sich die ZNS-Erkrankung bis zu erkennbaren Symptomen entwickeln kann.
Verringerte Insulinsekretion als Alzheimer-Risikofaktor
Als Risikofaktoren für AlzheimerDemenz gelten bei Diabetikern verringerte Insulinsekretion und Insulinresistenz. Aber führt Diabetes tatsächlich zu Morbus Alzheimer? Oder werden beide Erkrankungen nur zufällig von den gleichen Mechanismen gefördert? Schließlich gibt es Risikofaktoren, die beide Krankheiten begünstigen. So steigert Adipositas nicht nur die Wahrscheinlichkeit, zuckerkrank zu werden. Fettleibigkeit im mittleren Alter erhöht auch das Alzheimerrisiko. Umgekehrt bieten Sport und Bewegung offenbar einen gewissen Schutz vor beiden Krankheiten. Was verbindet beide, Diabetes und Morbus Alzheimer? Möglicherweise spielt der kontinuierliche, hohe Glukosebedarf des Gehirns zur Energiegewinnung eine Rolle: Er ist höher als in anderen Organen. Da wundert es nicht, dass das Gehirn mit acht verschiedenen Glukosetransportern bestückt ist; einige davon arbeiten insulinabhängig und konzentrieren sich auf spezifische Zelltypen und Regionen des Gehirns. Insulinrezeptoren wiederum finden sich in besonderer Menge in den für Gedächtnis und Nahrungserkennung wichtigen Bereichen - dem Cortex, dem Hippocampus, im Striatum und im Riechkolben. Dorthin gelangt das Insulin durch aktiven Transport über die Blut-Hirn-Schranke. Dieser Transport wird von äußeren Umständen beeinflusst - etwa von Nahrungszufuhr und Adipositas, aber auch durch Insulinresistenz. Dass Insulin tatsächlich neuronale Leistungen verbessern kann, etwa das Gedächtnis, das zeigen Daten gesunder Männer, denen acht Wochen lang intranasal Placebo oder Insulin appliziert wurde. Das so verabreichte Insulin gelangt zum Teil ins Gehirn und umgeht dabei den peripheren Stoffwechsel. Die Gedächtnisleistung der Probanden verbesserte sich dadurch signifikant. Das bestätigte eine weitere Studie auch für adipöse Patienten. Lübecker Forscher berichten, dass bei gesunden Probanden zwar mit Gewicht und Fettmasse die Insulinkonzentration im Blutplasma stieg, aber umgekehrt gleichzeitig die Konzentration im Liquor abnahm. Übergewichtige, insulinresistente Diabetiker könnten demnach auch einen Insulinmangel im Gehirn haben.
Bei Alzheimer sind Neuronen oft insulinresistent
Bei der Alzheimer-Pathogenese beeinflusst Insulin möglicherweise auch die typischen Amyloidablagerungen, indem es die Bindung von Beta-Amyloid an Synapsen verhindert. Das klappt nur, wenn das Insulinsignal intrazellulär korrekt weitergeleitet wird. Dies aber scheint bei Alzheimer-Demenz nicht der Fall zu sein. Die neuronalen Zellen sind insulinresistent, so Kopf. Ob Diabetiker sich letztlich durch eine sorgfältige Stoffwechseleinstellung vor Alzheimer-Demenz schützen können, ist noch nicht klar. Immerhin liefert eine Studie Hinweise. Darin wurden 248 Verstorbene, darunter 128 Diabetiker, obduziert. Letztere hatten vor ihrem Tod Insulin, Tabletten, beides oder gar nichts erhalten. Patienten mit Kombinationstherapie wiesen viel weniger Amyloidablagerungen auf als solche mit anderen Therapien. Für Menschen im mittleren Alter wiederum fand eine skandinavische Studie eine deutliche Reduktion des Demenzrisikos durch körperliche Bewegung, sodass sich für übergewichtige Jugendliche und Erwachsene mehr Sport anbieten würde. Und: Weil Alzheimer-Patienten einige Jahre vor der Diagnose oft wieder an Gewicht verlieren, könnte bei Zuckerkranken eine ungeplante Abnahme auf dieses Problem hinweisen.
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